Das neue Zeitarbeitsgesetz – Wenn Arbeitnehmerüberlassung fehlschlägt

Jeder Leiharbeiter steht in diesem Jahr vor einer kleinen oder großen Veränderung. Seit dem 01.04.2017 ist ein neues Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in Kraft getreten, welches, vereinfacht gesagt, den Leiharbeitern helfen soll, effektiver fest übernommen zu werden. Was zunächst wie ein gut gemeintes Ziel der Gesetzgeber klingt, sieht in der Realität leider ganz anders aus. Da ich neben meiner Selbstständigkeit im Internet noch einen Job benötige, um für Miete und und Essen auf dem Tisch aufzukommen, arbeite auch ich seit 2,5 Jahren als Leiharbeiter unter einer Zeitarbeitsfirma. Bislang waren die Umstände ziemlich geregelt. Man konnte über seinen Stundenvertrag, seine Schichten und seinen Urlaub gut verhandeln. Hat man sich gut angestellt, wurde man nach zwei Jahren unbefristet übernommen und konnte sich sein Leben, zu bestimmten Bedingungen, ansatzweise, angemessen zurechtbasteln.

 

Arbeitnehmerüberlassung auf Höchstdauer von 18 Monaten beschränkt

Die Höchstdauer wurde auf 18 Monate herunter geschränkt. Lediglich tarifgebundene Unternehmen stoßen auf eine unbegrenzte Ausnahme, wie z.B. IG Metall. Auch andere Arbeitgeberverbände der Metallindustrie können einen Tarifvertrag vereinbaren, der eine Verlängerung der Höchstdauer auf 36 oder 48 Monate setzt.

Mein Arbeitgeber hat das Ganze mithilfe eines Zeitarbeiternetzwerkes umgehen können, in dem er die Leute nach 15 Monaten zu einem anderen Zeitarbeitgeber schickt. Sollte die Strecke zu lang sein, oder man kann aus anderweitigen Gründen nicht zur neuen Arbeitsstelle gelangen, wird einem die Kündigung in die Hand gereicht. Ob das gut oder schlecht ist, hängt natürlich von der jeweiligen Situation des Leiharbeiters ab. Ältere Herrschaften, kurz vor der Rente, die sich längst damit angefreundet haben, bis zu ihrem Ruhestand, ihre Tätigkeit verüben zu dürfen, müssen sich nun auf eine neue Situation einstellen und in das neue Ungewisse aufbrechen. Ob der neue Arbeitgeber genau so viele Stunden zur Verfügung stellt, wie der alte, ist eine der wesentlichen Fragen, die sich dabei stellen. Auch sind bei uns viele, die 15 Jahre und länger im Betrieb tätig sind, und ohne die, ganz ehrlich, der Laden einfach nicht mehr so rund laufen wird.

Dazu kommt, dass sobald die Leiharbeiter die neue Stelle annehmen, es ungewiss ist, wann sie wieder zurückkommen dürfen. Die Rede war davon, dass wir drei Monate und einen Tag wegbleiben müssen und uns anschließend zu den alten Bedingungen (Erfahrungszuschlag), jedoch mit weniger Urlaubstagen, wieder bewerben können. Sollten wir allerdings die neue Arbeitsstelle eines anderen Leiharbeitgebers antreten und uns dort eingearbeitet haben, so ist die Rede davon, dass es nur bedingt möglich ist, uns nach den drei Monaten sofort wieder abzuziehen. Das bedeutet, wir müssten bei dem neuen Arbeitgeber bleiben, bis auch dort die Höchstdauer wieder erreicht ist oder er bereits vorher keine Verwendung mehr für uns übrig hat.

Dadurch, dass sich bei uns keine nähren Partner unseres Arbeitgebers befinden, werden wir zu den neuen Arbeitsstellen 50 Km und weiter geschickt. Nicht jeder verfügt dabei über ein Fahrzeug oder kann sich die Zeit und Kosten für Bus und Bahn für so eine Strecke leisten, bei so einem Hungerlohn.

Eine Alternative bietet sich dadurch an, dass man, falls man die neue Arbeitsstelle nicht antreten kann, gekündigt wird und sich erst mal bei der Agentur für Arbeit melden kann. Dadurch bekommt man allerdings nur noch 60% des Gehaltes, was beim Mindestlohn einfach nicht zum Leben reicht.

Auch ich kann nicht einfach 50 Km mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, deswegen musste ich mich heute leider arbeitslos melden. Bei mir wirkt sich das Ganze jedoch nicht so schlimm aus, wie bei meinen Kollegen, deren Existenz nur von ihrem Job abhängt. Mich retten die Einnahmen aus meiner Selbstständigkeit im Internet und somit hat sich genau das Szenario ergeben, welches ich seit 1,5 Jahren hier auf meinem Blog predige: Man kann jeder Zeit seinen Job verlieren. Deswegen sollte man sich ein zweites Standbein im Internet aufbauen.

Ab dem 01.06. werde ich arbeitslos sein und werde natürlich Ausschau nach einem neuen Job halten oder die 3 Monate und einen Tag abwarten und wieder in meinen alten Betrieb gehen. Natürlich werde ich die Zeit auch nutzen und weiter an meiner Selbstständigkeit arbeiten. Natürlich arbeite ich nur maximal 15 Stunden in der Woche. Alles darüber hinaus würde als eine volle Selbstständigkeit gelten und man würde keine Hilfe, in Form des Arbeitslosengeld I, erhalten.

Andere Leiharbeiter aus meinem Betrieb, werden es ebenfalls so machen wie ich, nur ohne die Selbstständigkeit zu Hause, andere werden die Stelle tatsächlich wechseln und die weite Strecke auf sich nehmen und andere suchen sich wiederum ganz was anderes.

 

Der Mittelstand wird leiden unter dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

Da unser Arbeitgeber nicht die gesamte Mannschaft nach 15 Monaten auf einmal entlassen kann, ist der Plan, jeden Monat 7 Leute zu entlassen. Ich bin einer der ersten. Dafür sollen reichlich neue Mitarbeiter mit möglichst kleinen Verträgen eingestellt werden. Das bedeutet in einem Jahr wird die gesamte Mannschaft ausgewechselt sein. Das Problem daran ist, dass die Arbeitsstellen gründliche Einarbeitung erfordern. Damit die Leiharbeiter vorausschauend agieren und selbstständig den Maschinenführern helfen, braucht es ein- bis zwei Jahre Zeit der gründlichen Einarbeitung und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Das fällt leider weg, wenn man weiß, dass man in einem Jahr sowieso wieder aus dem Laden raus ist. Die Moral ist bei uns jetzt bereits im Keller und sie wird es auch nicht wieder nach oben schaffen. Viele Arbeiter, die seit 15 Jahren dort sind, haben in dem Betrieb ihre Familien und Freunde. Sie haben sich darauf eingestellt, wenn auch nicht zu den rosigsten Bedingungen, dort bleiben zu können und ihr restliches Arbeiterleben in Ruhe zu verbringen.

Dadurch, dass in einem Jahr die gesamte Mannschaft ausgewechselt sein wird, wird auch der Betriebsfluss ins Stocken geraten. Die Moral, auch die der Festangestellten wird sinken. Und die Grenzen zwischen Festangestellten und Leiharbeitern wird wieder grober und härter. Bislang haben nämlich Festangestellte und Leiharbeiter, Schulter an Schulter für den Erhalt des Betriebes für viele Jahrzehnte gekämpft. Nun werden es innerhalb des nächsten Jahres 100 neue Leiharbeiter sein, die die Festangestellten nicht kennen, die die Arbeitsprozesse nicht verstehen und ihnen auch nicht folgen können und die ebenfalls ein bis zwei Jahre bräuchten, um sich im Betrieb, auch zwischenmenschlich, erfolgreich einzubringen. Leider werden sie dann wieder gehen müssen.

Das Gesetz hatte sicher gute Absichten. Die Realität sieht anders aus.

 


Quellen:

http://www.zeitarbeit-und-recht.de/archive/aueg-aenderungen-leicht-entschaerft

Arbeitslosengeld I und Nebenberufliche Selbstständigkeit


 

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2 Gedanken zu „Das neue Zeitarbeitsgesetz – Wenn Arbeitnehmerüberlassung fehlschlägt

  1. Ich arbeit als Reinigung Kraft in eine Betrieb für Arbeit Zeit Firma seid 6 Jahre und habe Mindestlohn 10 Euro.Wegen dieses Gesetzes müssen wir ab Januar 2017 nach Neu monate weg.Mehr geld für von wegen. Ich verdiene als Reinigung Kraft für mich ungelernte ohne Ausbildung gute geld.Ich könnte bleiben noch mehr jahre und durch dieses Gesetz bin ich Arbeitslos.Mann sollte uns lassen Entscheidung das wir für Zeit arbeit Firmen arbeiten wollen.Jetzt werde ich Arbeitslos….Realität ist anders….Ich bin sauer auf diesen Gesetz….sie haben vergessen die Leute zu schützen welcher vielen Jahren für die selber eine Firmen Arbeiten das sie nicht weg müssen…das Soll für uns,Gut sein…die Frau hat uns mir dien Gesetz geschadet….vielfach sind gute Ausnahmen aber nur für Fachkräfte…was ist mit Menschen welcher für die ist nur Zeit Arbeit ein eine Job zu haben

    1. Ja, genau so ist das leider! Und so geht es gerade sehr, sehr vielen Menschen.. Danke, für das Teilen Ihrer Geschichte. Dieses Gesetz ist ein Schaden für Zeitarbeit-Angestellte und Unternehmen (Die Hauptfirmen, die Zeitarbeitsfirmen einstellen), da diese nun mit neuen, wechselnden und fliegenden Arbeitskräften zurechtkommen/ständig neu anlernen müssen.

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